Bei Deutschlandfunk Kultur wird über den neuen Social-Media-Trend Rage Girl Literature berichtet: https://www.deutschlandfunkkultur.de/lesetrends-auf-booktok-rage-girl-literature-statt-sad-girl-literature-100.html

Neuer Social-Media-Trend: Rage Girl Literature

Nach der Sad Girl Literature (die sich mit Depression, Melancholie und Trauer bei Frauen* auseinandersetzt) ist nun Literatur über Wut und im Spezifischen über Female Rage, also weibliche Wut, im Trend.

Berichtet wird dabei über Monika Kims „Das Beste sind die Augen“, Şeyda Kurts „Zeit der Monster“ und Delphine Minouis „Badjens“, das 2026 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert ist.

Es geht dabei nicht um Männerhass

Dabei wird richtig erklärt, dass sich die Wut der Frauen* in den Büchern nicht nur auf Männer richtet, sondern auf ALLES: „Das Patriarchat, den Kapitalismus, den Ex, die verspätete Periode, Krieg, Ungerechtigkeit“ (Zitat von Feminist Fiction Berlin, einem feministischen Buchclub aus Berlin)❗

Dies wird aber prompt als Willkür gedeutet und gefragt, ob man diese Literatur dann ernst nehmen könne. Annika Säuberlich hält dagegen und versucht zu erklären, was wirklich in der Female Rage Literature verhandelt wird: Bei „Badjens“ ist das beispielsweise der weibliche iranische Widerstand.

Diskriminierung und Intersektionalität als lebensnahe Themen in Female-Rage-Literatur

Was mir im Beitrag fehlt, ist der Hinweis darauf, dass es bei Female-Rage-Büchern nicht nur um sexistische, sondern auch um intersektionale Themen geht, die die Lebensrealität vieler Frauen*, Queers, PoC oder Menschen mit klassistischen, ableistischen oder sonstigen diskriminierenden Erfahrungen abbilden und alles andere als willkürlich sind. Verhandelt werden die Ungerechtigkeiten, mit denen manche tagtäglich konfrontiert sind, diese aber nicht mehr hinnehmen wollen. 😡

Emanzipation durch Aneignung von Wut

Gerade die Wut gilt dabei als eine Emotion, die Frauen* für sehr lange Zeit abgesprochen wurde, weil das nicht schicklich sei für eine Frau*. Wütende Frauen wurden und werden noch immer als hysterisch bezeichnet und damit pathologisiert. Sich diese Emotion anzueignen und für sich zu beanspruchen, ist ein emanzipatorischer Akt, heraus aus der Ohnmacht, die einem die tagtäglichen Ungerechtigkeiten vermitteln. 💪🏼

Ich bin Miriam: Lektorin für Sachtexte, autobiografische und wissenschaftliche Texte. Ich interessiere mich stark für feministische und intersektionale Themenbereiche. Kontakt über miriam@lektorat-nasri.de, 0155 6628 1420 oder über das Kontaktformular. Ich freue mich auf deine Texte. Ich freue mich auf deine Nachricht.